
Adolf und Torsten Hartl bauten in ihrer Werkstatt eine badische Kanone von 1855 nach das
300 Kilo Geschoβ wurde vom Beschussamt Ulm abgenommen.
Von ganz klein bis groβ; präsentierten Adolf und Torsten Hartl die originalgetreuen Kanonennachbauten,
die in Eigenarbeit entstanden sind.
Das jüngste Stück ist die 77-Milimeter-Kanone, die stolze 300 Kilogramm auf die Waage bringt.
Im neuen Jahr wird sie erstmals beim Winterschieβen auf sich aufmerksam machen.
(Bild rechts unten)
Waibstadt.
Wenn’s in Waibstadt ab und an heftig rumst, weiβ jeder wer dafür zuständig
ist. Die Männer vom Artilleriebund St. Barbara, der im nächsten Jahr 120.
Geburtstag feiert, lassen die Kanonen böllern. Zur Fronleichnams-Prozession
sind die zehn Salutschüsse der Artilleristen seit Jahrzehnten örtliche „Begleit-Musik”,
wie der Kanonenknall bei Kerwe und einigen Begräbnissen.
Gefeuert wurde über Jahre mit
der alten Vereinskanone , Kaliber 60 Millimeter. Das Prachtstück aus Grauguss
ziert inzwischen der Stempel vom Ulmer Beschussamt. Geplant ist und gebaut
wurde das120 Kilogramm schwere Kanonenrohr von Adolf Hartl und dessen Sohn
Torsten, zweiter Vereinschef und Schieβmeister. Die 77-mm-Kanone ist Nachbau
einer badische Feldartillerie aus dem Jahr 1855. 70 Kopien der
Original-Konstruktionspläne waren einzige Grundlage für monatelange Arbeit in
der Werkstatt des 67 Jährigen. Vater und Sohn eint das Bemühen, das
Vereinsleben im Artilleriebund wieder zu reaktivieren.
Zur Widerbelebung gehöre auch
das Schieβen, so die Hartls. Die alte Vereinskanone war in die Jahre
gekommen.. „Kanonen bauen dürfen nur Mitglieder in Schützenvereinen. Das ist
Vorraussetzung für die Genehmigung.” Weil der Zimmermann schon mit zwei
kleineren Nachbauten historischer
Geschütze sein Geschick bewies, hatte er
nie bedenken, „das gröβte Exemplar zu bauen, das je in meiner Werkstatt
entstanden ist.”
Die Form des Rohrs wurde aus
Holz hergestellt. Sie ist das „A und O”. Hier musste alles Millimetergenau
stimmen. „Die Geringste Abweichung beim Herausdrehen aus dem Holzrohling und
der Lauf sitzt nicht mehr in der Mitte.” Risse und Spannungen im Holz vermied
Hartl, indem er Leimholz verwendete. Zum Schluss kam das Familienwappen auf
die Holzform. Dann wurde es poliert, gespachtelt und wieder geschliffen, bis
die Form glatt
wie Fensterglas war.
Den Guss des Kanonenrohrs
übernahm eine Mosbacher Gieβerei, die zwar alle mögliche Formen herstellt.
Kanonenrohre waren noch nie darunter. Stolze 1000 Mark musste Hartl dafür
berappen, war mit dem Ergebnis
sehr zufrieden. Der gezogene stählerne Lauf
liegt genau in der Mitte des Gusseisernen Kanonenrohrs.
Mit der Kanone im Kofferraum
ging’s nach Ulm, zum Beschussamt. Ohne deren Abnahme darf kein Gramm,
Pulver
ins Rohr. Im Steinbruch bei Ulm dröhnte es vor der Waidstädter Delegation
einmal kräftig „Zugelassen für 240 Gramm Pulverfüllung und Salutschuss sagt
das Stanzzeichen der Ulmer”, die das Stück auch auf Gussfehler überprüften.
Genehmigt wurde die Zündvorrichtung der Waibstadter Tüftler. Der Funken des
Zündplättchens, mit dem Schlagbolzen gezündet, frisst sich in
Sekundenbruchteilen durch eine zwei Millimeter starke Bohrung zur Ladung im
Rohr. „Das ist viel billiger als die elektrische Zündung”.
Die Letzten Wochen in der
Werkstatt den Beschlägen und der Hölzernen Lafette gewidmet. Hier zeigt Vater
Hartl seine ganze Kunst. Aus geleimten Mahagoni Holz wurde die Lafette
gearbeitet, sieht aus, als wäre sie eben aus der „groβherzoglich badischen
Kanonen-Manufaktur” abgeholt worden. Satte 300 Kilogramm bringt das Salutgerät
auf die Räder. Die Gesamte Achskonstruktion ist handgemacht, wie die riesigen
Holzräder mit Eisenreifen. „Sie stammen von einem Wagner, der sie vor 50
Jahren bei Buchen hergestellt hat.” Die Witwe hat die Räder im RNZ-Flohmarkt
inseriert.. Für 90 Mark erwarb sie Hartl. „Ich musste wenig dran arbeiten. Die
Stahlbänder sind erste Klasse.” Eigenkonstruktion ist alles, von der mit
Holzkeil verstellbaren Höhenjustierung des Laufes bis zu den Gerätschaften zum
Reinigen und Laden. „Gestopft werden darf nur mit einem Holzstopfen. Mit
Metall das Pulver zu verdichten wäre viel zu gefährlich”.
Was noch fehlt zum Glück der
Artilleristen; Ein Name fürs Schwergewicht ( Mit Kirchlicher Weihe ) und der
Erste Schuss. „Wir sind keine Kriegsversherrlicher. Wir wollen nur ein Stück
Geschichte lebendig halten, wie die Dampflok Fans” begründet Torsten Hartl die
Aktivitäten. Viel Wissen über Verein und örtliche Tradition sind mit dem Tod
der Alten verloren gegangen, wie alte Dokumente, Fahnen und frühere Uniformen.
Mit der Gröβten Selbstgebauten Kanone eines Schützen oder Vorderladervereins
zeigt der Artilleriebund jetzt wieder Flagge.